| Nach fast fünf
Monaten auf der südlichen Halbkugel mit
ständigem Frühling oder Sommer, sollte es nun
erstmals wieder auf einen Kontinent nördlich des
Äquators gehen. Die vorletzte Station unserer
Weltreise ist erreicht: Kalifornien. Wir
haben zu diesem "Sunshine State"
eine besondere Beziehung, denn bereits 1976 haben
wir fünf Wochen hier verbracht, und schon damals
haben unsere Freunde uns sehr unterstützt, indem
sie uns Wohnung und Auto zur Verfügung stellten.
So flogen wir zunächst
nach San Diego, um Lois und Ernest Sarneski
wiederzusehen, die von San Raffael (
nördl. der Golden Gate ) nach San Diego übersiedelt
sind, um in der Nähe ihrer Tochter zu wohnen.
Ernest ist ein ehemaliger
Schüler meines Vaters, der im Alter von 19
Jahren in die U S A ausgewandert ist, sich
beruflich etabliert hat und durch Heirat und
Gründung einer Familie echter Amerikaner
geworden ist. Bei Deutschlandbesuchen hat er
stets seinen ehemaligen Lehrer besucht, und so
lernte auch ich die Sarneskis kennen. Ernest
leidet seit etwa 20 Jahren an einer Krankheit,
die ähnliche Symptome wie Multiple
Sklerose aufweist, und seit etwa 10 Jahren hilft
ihm eine Art elektrischer Rollstuhl, sein
Leben zu bewältigen. Bei diesem Besuch konnte
Pet endlich seine aufgestaute Arbeitswut
austoben, denn in dem neu bezogenen Haus gab es
jede Menge zu tun. Auch haben wir im Garten einen
Aprikosenbaum gepflanzt und gedenken, in einigen
Jahren zur Aprikosenernte zurückzukehren.
Bei Sturm und Regen
landeten wir am 10. Januar in San Franzisko -
das erste Mal auf unserer Weltreise, dass uns
eine Landung in Angst und Schrecken versetzte.
Das Wetter erinnerte uns sehr an unsere Heimat,
nicht aber an das sonnige Kalifornien unserer
Erinnerung. Es ist Winter hier, mussten wir
feststellen.
Dennoch, unsere
Freundin Joanie hatte trotz unserer Verspätung
am Flughafen ausgeharrt, und wir konnten statt
ins Taxi in ihr Auto einsteigen. Auch Joanie
hatten wir bereits 1976 besucht. Diese
Freundschaft geht zurück bis in unsere frühe
Studentenzeit in Freiburg. Im Wintersemester
1964/65 wohnten wir in einem Haus zusammen und
auch im folgenden Sommersemester haben wir viel
Spaß zusammen gehabt. Joanies anschließender
Besuch in
Lüchow bei meinen Eltern, sowie
kontinuierliche Briefwechsel und
gegenseitige Besuche haben die langjährige
Freundschaft vertieft.
Auch unsere Söhne konnten
davon profitieren. Marc hat vor 16 Jahren
während eines Ferienaufenthaltes in San
Raffael bei den Sarneskis für 20 Dollar
seinen Führerschein gemacht; und Joanie fand
nach zunächst aussichtslosem Bemühen -Gott sei
Dank -die Familie McCreight in Los Altos (siehe
Neuseeland ), die bereit war, Colin für ein Jahr
(1986/87 ) bei sich aufzunehmen - der
Beginn einer weiteren langjährigen Freundschaft.
Bleiben noch zu erwähnen unsere
Heikendorfer Freunde, Traute und Dieter Kaiser,
die kurz entschlossen von Deutschland
rübergeflogen waren, um mit uns das Vergnügen
zu teilen, am Lake Tahoe Ski zu laufen.
Auch dieses
Unternehmen wäre sicher nicht zu finanzieren
gewesen, wenn nicht Joanies Vater vor 25 Jahren
ein wunderschönes Haus am Lake Tahoe erworben
hätte, das er seinen Töchtern Joan und Linda
vor- , oder auch rechtzeitig vererbt hatte.
Es ist direkt am See gelegen, hat zwei Etagen ,
drei Schlafzimmer, drei Bäder, einen
riesigen Wohnraum mit integrierter Küche, sowie
zwei Terrassen - auf der unteren ein grosser
Whirlpool im Freien. Wir haben uns natürlich an
den Kosten beteiligt, aber als Freunde zu sehr
günstigen Konditionen.
Als wir Traute und Dieter
vorschlugen, ihnen die Stanford University
zu zeigen, fiel Traute ein, dass sie dort
"jemanden" kennt, nur den Namen, aber
nicht die Adresse eines bulgarischen Mädchens: Dyljana
Dimova. Sie leidet seit ihrer Geburt an
einer unheilbaren Knochenkrankheit ( Morbus
Kniest). Im Rahmen ihrer Tätigkeit im Lion's
Club hatte Traute Dyljana , die in Deutschland
operiert worden war, bei sich aufgenommen. Sie
wusste, dass Dylijana es geschafft hatte, ein
Stipendium für Stanford zu bekommen, wusste aber
keine Einzelheiten. Die Student Union half
uns. Dyljana war tatsächlich in Stanford
immatrikuliert und ein Besuchstermin wurde
verabredet. Ein ergreifendes Zusammentreffen für
Traute und Dyljana. Keine von beiden wusste
damals, ob sie sich je wiedersehen würden, aber
dass es ausgerechnet auf dem Campus von Stanford
sein würde, hätte niemand für möglich
gehalten.
Drei
Essengutscheine für Besucher, die Dyljana pro
Semester zustanden, bescherten uns allen ein
unglaublich üppiges Essen - draußen im Freien,
denn es war wieder einmal Sommer im Winter
von Kalifornien. Ich muss sagen, auch bezüglich
des Essens eine Eliteuniversität. (Doch wie
heisst es gleich? .. Plenus venter non studet
libenter ...... muss ja nicht
immer stimmen )
Am nächsten Tag holten
wir Dyljana ab, um sie mit nach San Franzisko
und nach Alcatraz zu nehmen. Sie
war besorgt, ob sie ein Problem für uns sein
würde, und wie sie die Stapazen mit ihrer
Gehbehinderung bewältigen würde.. Aber es gab
kein Problem, denn ihr Wille, all das zu sehen
und zu erleben, was sie aus Büchern längst
kennt, hat sie tapfer jede Schwierigkeit meistern
lassen.We will keep in contact.
Die letzte Woche
in der Bay Area gab uns noch die
Möglichkeit, den einen oder anderen Bekannten zu
besuchen, deren Adressen wir mit um die Welt
getragen hatten. So suchten wir Hilbert Werner
und seine Frau in San Lorenzo auf der
anderen Seite der Bay auf. Hilbert ist ein
ehemaliger Schüler von Pets Vater, der die
Realschule Schönberg besucht hatte und ebenfalls
früh nach Amerika ausgewandert war. Auch er hat
sich beruflich etabliert und sich durch Heirat
und Gründung einer Familie ganz für Amerika
entschieden.
Nun wollen wir noch Brian
Veit und seine Familie in San Franzisko
besuchen. Er hat ein Jahr bei den Röpers in
Heikendorf gewohnt, nachdem Anne Oatley
(Röper) (siehe "Waiting for the Baby )
ein Jahr als Austauschstudentin bei Brians Eltern
Irene und Walter Veit gewohnt hatte..
Wir haben Brian damals kennengelernt, sind in
Krimml zusammen Ski gelaufen und Colin ist nach
dem Abitur mit Brian durch die U S A
getourt. Mittlerweile sind wir auch mit
Irene und Walter Veit gut befreundet, und
wir haben uns entschieden , noch einen Inlandflug
einzuschieben und werden sie in der nächsten
Woche in Orlando besuchen. Das soll dann die
letzte Station auf unserer Weltreise sein.
Haide
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