Nachdem wir
jetzt bereits über 4 Wochen Australien bereisen,
wird es wirklich Zeit, sich mit dem Tier zu
beschäftigen, das Pet auf dem Foto gerade
begrüßt: dem Kängeruh, neben dem Emu das
Wappentier Australiens. Fortbewegung und
Fortpflanzung sind ja so anders als bei den
uns bekannten Säugetieren, so dass wir schon
sehr gespannt waren auf unsere erste Begegnung
mit dem seltsamen Hüpfer. Alison und Larry
fuhren mit uns und Tochter Mackenzie auf eine
Farm in der Nähe von Newcastle, um sicher zu
gehen, dass wir Kängeruhs und Koalas aus
nächster Nähe erleben konnten, denn im
Großraum Sydney/Newcastle waren wir bisher
keinem Tier begegnet.
Da
waren sie also, hüpften, frassen, kamen auch
recht nahe heran und einige liessen sich auch
streicheln und füttern. Bei einem
"steckte etwas aus dem Bauch",
wie es aussah, ein Stock. Natürlich schlossen
wir gleich messerscharf, dass es sich nur um das
Hinterbein von einem Joey ((Junges ) handeln
konnte, das im "pouch" (Beutel) keinen
Platz mehr gefunden hatte. Das Bein verschwand,
und nach einer Weile schaute ein Kopf hervor. Die
Kängeruhmutter fraß Gras, der Joey eine Etage
tiefer ebenfalls. Es zeigte sich ein Vorderbein,
und noch eins, der Joey ( schon ziemlich groß)
entstieg dem Beutel und machte sich ,auf
staksigen Beinen hüpfend, selbst auf die
Futtersuche. Zwischendurch versuchte er dann
wieder einzusteigen ( wie bequem ) , aber die
Mutter zeigte sich konsequent in ihrer Erziehung
zu mehr Selbständigkeit. Wir hatten also
Kängeruhs sehr gut kennenlernen und beobachten können, aber so ganz gefiel uns natürlich
nicht, dass wir sie nicht in freier Natur
aufgespürt hatten.
Das sollte sich aber sofort
ändern, als wir dann von Darwin aus mit unseren
Bushcamper (4 WD ) in den Kakadu NTL Park fuhren.
Schon auf dem ersten Campingplatz begrüßten uns
die Hüpfer (Wallabies ) am Eingang, und wir
konnten es kaum erwarten, uns mit der Videocamera
vorsichtig zu nähern, um das zu dokumentieren.
Sie ließen es zu, blieben aber auf Distanz. Der
Campingplatz in Nitmiluk (= Katherine Gorge )
allerdings war dann ein Paradies , sowohl für
Kängeruhs als auch für uns. Nach stundenlanger
Fahrt durch öde, völlig unbesiedelte
Landschaft, war dies eine wirkliche Oase,
entstanden durch ständige Bewässerung. Grüner
Rasen, beschattet von einem riesigen Mangobaum
mit halbreifen Früchten, war Anziehungspunkt und
Kommunikationszentrum für diverse Tiere.
Zunächst spektakelten
große, weiße Kakadus (vgl. Bild )und
verschiedene Papageienarten im Baum umher,
dass es dem Ornithologen die Sprache verschlug.
Sie hatten es auf die Mangos abgesehen und
probierten unterschiedliche Techniken, ihr Ziel
zu erreichen. Der weiße Kakadu pflückte sich
mit einer Kralle eine Frucht und fraß dann , die
Frucht in der Kralle haltend, sehr possierlich,
ließ die Mango aber bald fallen und suchte sich
eine neue. Die viel kleineren Papageien hingen
sich an einen Zweig mit dem Kopf nach unten und
erreichten mühelos ihr Ziel. Unter dem Baum
lagen jede Menge angefressener Mangos und auf die
hatten es offensichtlich die Wallabies abgesehen,
die mit Einsetzen der Dunkelheit in grosser
Anzahl erschienen - überhaupt nicht scheu
- aber zum Filmen war es fast zu dunkel. Unser
Abendbrot aßen wir in Gesellschaft von
mindestens 10 - 15 Wallabies um uns herum.
Einige ließen sich sogar füttern. Wir waren
ganz begeistert und begaben uns zur Nachtruhe in
unseren Camper ( bei 35 Grad ).
Man wälzt sich hin und her und irgendwann schläft man tatsächlich ein.
Plötzlich unterbricht lautes Geschepper und
Geklirre den ersten Schlaf. Was für eine
Unverschämtheit, dass Leute so spät noch
ihre Flaschen in die Mülleiner knallen, denke
ich. Dann wieder ein Knall direkt neben uns. Ein
Blick aus dem Fenster: unsere Kühlbox mit Obst
und Getränken, die wir aus Platzmangel draußen
geparkt hatten, liegt umgekippt - überall
verstreut deren Inhalt. Ein weiterer angestrengter
Blick in die Dunkelheit: da sitzt doch eine
Gestalt , hält zierlich "meine Birne "
zwischen den Vorderpfoten und verzehrt sie mit
Genuss. Und dennoch: Kängeruhs sind sanfte,
unaggressive Tiere, die keine Laut von sich
geben, aber bei der Futtersuche sehr kreativ
sind.
Haide
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