Round the World in 210 days      ---      Haide und Pet auf Weltreise

   
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"Kängeruhs"

12.10.2000

Nachdem wir jetzt bereits über 4 Wochen Australien bereisen, wird es wirklich  Zeit, sich mit dem Tier zu beschäftigen, das Pet auf dem Foto gerade begrüßt: dem Kängeruh, neben dem Emu das Wappentier Australiens. Fortbewegung und Fortpflanzung sind ja so anders als bei  den uns bekannten Säugetieren, so dass wir schon sehr gespannt waren auf unsere erste Begegnung mit dem seltsamen Hüpfer. Alison und Larry fuhren mit uns und Tochter Mackenzie auf eine Farm in der Nähe von Newcastle, um sicher zu gehen, dass wir Kängeruhs und Koalas aus nächster Nähe erleben konnten, denn im  Großraum Sydney/Newcastle waren wir bisher keinem Tier begegnet.

Da waren sie also, hüpften, frassen, kamen auch recht nahe heran und einige liessen sich auch streicheln und füttern. Bei einem "steckte  etwas aus dem Bauch", wie es aussah, ein Stock. Natürlich schlossen wir gleich messerscharf, dass es sich nur um das Hinterbein von einem Joey ((Junges ) handeln konnte, das im "pouch" (Beutel) keinen Platz mehr gefunden hatte. Das Bein verschwand, und nach einer Weile schaute ein Kopf hervor. Die Kängeruhmutter fraß Gras, der Joey eine Etage tiefer ebenfalls. Es zeigte sich ein Vorderbein, und noch eins, der Joey ( schon ziemlich groß) entstieg dem Beutel und machte sich ,auf staksigen Beinen hüpfend, selbst auf die Futtersuche. Zwischendurch versuchte er dann wieder einzusteigen ( wie bequem ) , aber die Mutter zeigte sich konsequent in ihrer Erziehung zu mehr Selbständigkeit. Wir hatten also Kängeruhs sehr gut kennenlernen und beobachten können, aber so ganz gefiel uns natürlich nicht, dass wir sie nicht in freier Natur aufgespürt hatten. 

Das sollte sich aber sofort ändern, als wir dann von Darwin aus mit unseren Bushcamper (4 WD ) in den Kakadu NTL Park fuhren. Schon auf dem ersten Campingplatz begrüßten uns die Hüpfer (Wallabies ) am Eingang, und wir konnten es kaum erwarten, uns mit der Videocamera vorsichtig zu nähern, um das zu dokumentieren. Sie ließen es zu, blieben aber auf Distanz. Der Campingplatz in Nitmiluk (= Katherine Gorge ) allerdings war dann ein Paradies , sowohl für Kängeruhs als auch für uns. Nach stundenlanger Fahrt durch öde, völlig unbesiedelte Landschaft, war dies eine wirkliche Oase, entstanden durch ständige Bewässerung. Grüner Rasen, beschattet von einem riesigen Mangobaum mit halbreifen Früchten, war Anziehungspunkt und Kommunikationszentrum für diverse Tiere. 

Zunächst spektakelten große, weiße Kakadus (vgl. Bild )und verschiedene Papageienarten im  Baum umher, dass es dem Ornithologen die Sprache verschlug. Sie hatten es auf die Mangos abgesehen und probierten unterschiedliche Techniken, ihr Ziel zu erreichen. Der weiße Kakadu pflückte sich mit einer Kralle eine Frucht und fraß dann , die Frucht in der Kralle haltend, sehr possierlich, ließ die Mango aber bald fallen und suchte sich eine neue. Die viel kleineren Papageien hingen sich an einen Zweig mit dem Kopf nach unten und erreichten mühelos ihr Ziel. Unter dem Baum lagen jede Menge angefressener Mangos und auf die hatten es offensichtlich die Wallabies abgesehen, die mit Einsetzen der Dunkelheit in grosser Anzahl erschienen  - überhaupt nicht scheu - aber zum Filmen war es fast zu dunkel. Unser Abendbrot aßen wir in Gesellschaft von mindestens 10 - 15  Wallabies um uns herum. Einige ließen sich sogar füttern. Wir waren ganz begeistert und begaben uns zur Nachtruhe in unseren Camper ( bei 35 Grad ). 

Man wälzt sich hin und her und irgendwann schläft man tatsächlich ein. Plötzlich unterbricht lautes Geschepper und Geklirre den ersten Schlaf. Was für eine Unverschämtheit, dass Leute  so spät noch ihre Flaschen in die Mülleiner knallen, denke ich. Dann wieder ein Knall direkt neben uns. Ein Blick aus dem Fenster: unsere Kühlbox mit Obst und Getränken, die wir aus Platzmangel draußen geparkt hatten, liegt umgekippt - überall verstreut deren Inhalt. Ein weiterer angestrengter Blick in die Dunkelheit: da sitzt doch eine Gestalt , hält zierlich "meine Birne " zwischen den Vorderpfoten und verzehrt sie mit Genuss. Und dennoch: Kängeruhs sind sanfte, unaggressive Tiere, die keine Laut von sich geben, aber bei der Futtersuche sehr kreativ sind.

 Haide

 

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